Wer die Wahl hat, hat die Qual: Welche Cloud passt zu Ihrem Unternehmen?

April 26, 2019
Walter Hofmann

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Walter Hofmann

Cloud Director Solutions

Die Cloud boomt: Zwei von drei Unternehmen setzen heute auf Cloud Computing. Tendenz steigend. Das spiegelt sich auch im Angebot wider. Der Public-Cloud-Markt ist groß und lockt mit günstigen Preisen. Doch welcher Anbieter ist für Sie der richtige? Cloud-Experte Walter Hofmann klärt grundlegende Fragen und stellt nützliche Auswahlkriterien auf, die Ihnen die Wahl eines Public-Cloud-Anbieters erleichtern soll.

Sind Sie gerade auf der Suche nach einem passenden Public-Cloud-Anbieter? Cloud Computing spielt eine immer entscheidendere Rolle in deutschen Unternehmen. Walter Hofmann, Director Cloud Solutions, warnt jedoch davor, ohne jegliche Vorbereitung in die Cloud zu wechseln. Unternehmen haben verschiedene Bedürfnisse und Anforderungen an die Cloud. Diese müssen bei der Auswahl der richtigen Cloud(-Form) beziehungsweise dem passenden Cloud-Anbieter unbedingt berücksichtigt werden.

1. Technische Leistungsmerkmale

Sie wollen unterschiedliche Services in der Cloud nutzen. Welches Cloud-Angebot passt zu Ihren Anforderungen? Welche Ihrer Applikationen/Services eignen sich überhaupt für einen Wechsel in die Cloud (technische Anforderungen und/oder Compliance-Vorgaben)? Nutzen Sie zur Vorauswahl entsprechende Tools zur Bestimmung der benötigten Cloud-Ressourcen.

2. Skalierbarkeit

Wie flexibel müssen Sie verschiedene Workloads skalieren? Sollen die Workloads in verschiedenen Regionen skaliert werden? Achtung: Compliance-Vorgaben! Welche Dienste werden von den jeweiligen Cloud-Anbietern in Bezug auf Anbindung und Kapazität bereitgestellt?

3. Anbindungen

Überlegen Sie im Vorfeld, wie Sie auf Ihre Cloud zugreifen wollen. Worüber werden die Verbindungen verwaltet & gesteuert? Welche Kosten werden dabei für Ihr Unternehmen entstehen? Werden definierte und SLA-gestützte Bandbreiten für Ihr Unternehmen benötigt? Wie sind die Cloud-Regionen untereinander vernetzt und wer betreibt diese Netze?

4. Kosten- / Nutzen-Faktor

Kosteneffizienz spielt bei einem Wechsel in die Cloud eine wichtige Rolle. Dabei ist schon das Transition-Modell preisentscheidend. Sie benötigen bereits vorab ein entsprechendes Konzept für die geplante Umsetzung in der Cloud. Ein einfacher Vergleich mit Ihrer On-Premises-Umgebung und ein simpler „lift & shift“ führt häufig zu keiner Kosteneinsparung. Nutzen Sie bei dem Wechsel Plattform-Angebote (PaaS) oder bauen Sie den Service neu unter der Verwendung nativer Cloud-Bestandteile (z.B. serverless) auf.

5. Angebot / Ausprägung

Wie ist Ihr ausgewählter Cloud Provider aufgestellt? Welche Erfahrung hat er auf dem Gebiet Cloud Computing? Welche Angebote befinden sich in seinem Portfolio, werden diese kontinuierlich optimiert und sind weitere Produkte geplant? Passen die Produkte zu Ihren Anforderungen?

6. Standort des Rechenzentrums

In welchen Regionen werden Ihre Daten gespeichert? Achten Sie dabei bitte auch auf den CLOUD Act vom 23.3.2018! Der CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) ist ein US-amerikanisches Gesetz, dass alle amerikanischen IT-Dienstleister und Betreiber von Rechenzentren dazu verpflichtet, US-Behörden den Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewährleisten, auch dann, wenn die Speicherung nicht in den USA erfolgt.

7. Bezugsmodelle

Wägen sie zwischen den entsprechenden Abrechnungsmodellen (On Demand, RI und Spot-Market) ab. Hier können Kosten optimiert werden.

8. Compliance & Security

Darauf sollten Sie unbedingt achten, wenn Sie sich für den Gang in die Cloud entschieden haben: Welche Zertifizierungen kann Ihr Cloud-Anbieter vorweisen? Ist er DSGVO-konform? Wer sorgt für die Umsetzung der Compliance und wie sind die Verantwortlichkeiten (Shared Responsibility) zwischen Ihnen und dem Cloud Provider aufgeteilt? (Stichwort CLOUD Act)

9. Support

Haben Sie sich für einen großen, internationalen Cloud-Anbieter entschieden, spielt es auch eine wichtige Rolle, in welcher Form dieser Support anbietet. Gibt es eine deutschsprachige Telefonhotline? In welchem Zeitraum wird auf E-Mail-Anfragen reagiert etc.

10. Service Level Agreement (SLA)

In einem SLA legen Sie im Vorfeld genau fest, welche Servicequalität Sie von Ihrem Cloud Provider erwarten können. So ist es möglich, Ihre Betriebsfähigkeit sicherzustellen und die Wiederherstellung bzw. Optimierung Ihrer IT-Systeme in vertretbarer Zeit zu gewährleisten.

Die parallele Nutzung von mindestens zwei verschiedenen Cloud-Diensten wird als Multi-Cloud-Ansatz bezeichnet. Ziel ist es, dass Risiko eines Datenverlustes oder Service-Ausfalls zu verringern.

11. Multi-Cloud verwalten

Denken Sie über einen Multi-Cloud-Ansatz nach? Falls ja, bitte bedenken Sie, dass Sie entsprechende Tools zur Verwaltung und Kontrolle der verschiedenen Clouds benötigen.

12. Datenportabilität

Ein einheitliches Managen und Übertragen von Daten zwischen den verschiedenen Clouds ist nicht selbstverständlich. Die Cloud Provider haben jeweils eigene Technologien entwickelt. Um flexibel zu bleiben, sollten Sie dennoch versuchen Vendor Lock-ins zu vermeiden, um Daten unkompliziert verschieben zu können.

13. Cloud Solution Provider

Holen Sie sich Hilfe. Ein Cloud Solution Provider (CSP) kann Ihnen bei dem Wechsel in die Cloud behilflich sein. Er unterstützt Sie bei der Konzeption und trägt damit auch zur initialen Preisfindung bei. Die Umsetzung erfolgt in der Shared Responsibility. CSPs liefern zusätzliche Services wie Optimizing, Alerting/Billing, Operating und vieles mehr.

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